Was ist Strom?Waren die Erscheinungen der Elektrizität für den Menschen
in früherer Zeit Magie oder Zauberei, so ist ihre Nutzung für
uns heute eine Selbstverständlichkeit, ja sogar eine Notwendigkeit.
Alle Geräte des modernen Lebens - von Haushaltsgeräten
wie der Waschmaschine, dem Staubsauger bis zur Stereoanlage, dem
Farbfernseher oder dem Computer - werden mit elektrischem Strom
betrieben. Ohne Elektrizität läuft keine Spielekonsole
und leuchtet keine Glühlampe.
Reibt man einen Luftballon an einem feinen Wollpulli, so besitzt er die Fähigkeit, an anderen Gegenständen zu haften. Schon im antiken Griechenland wurde das gleiche Phänomen beobachtet, wenn man ein Stück Bernstein an einem Fell rieb. Da das griechische Wort für Bernstein Elektron ist, wurde dieser Effekt Elektrizität genannt. Wie kommt es zu diesem Phänomen? Zwei Körper ziehen sich gegenseitig an, wenn sie unterschiedlich elektrisch geladen sind. Sie stoßen sich ab, wenn sie gleichnamig elektrisch geladen sind. Die Ladungen können positiv (+) oder negativ (-) sein. Haftet der Luftballon also z.B. an der Zimmerdecke, so ist er anders geladen als die Zimmerdecke. Wie aber kann ein Luftballon aus Gummi, der sicherlich nicht leitend ist, elektrisch geladen sein? In festen Körpern sitzen die kleinsten Teilchen, die Atome, sehr dicht nebeneinander. Ein Atom ist aus dem Atomkern und der Atomhülle aufgebaut. Der Atomkern besteht meist aus Neutronen und einer bestimmten Anzahl positiv geladener Protonen. Die Atomhülle besteht in der Regel aus der gleichen Anzahl negativ geladener Elektronen. Der Atomkern zieht die Elektronen der Atomhülle an. Bei gleicher Anzahl von Protonen und Elektronen ist das Atom insgesamt elektrisch neutral. Bei nicht leitenden Stoffen sitzen die Elektronen ganz dicht an den Atomkernen auf festen Plätzen. Die Atomhüllen der einzelnen Atome berühren sich, kein Elektron kann sich von seinem Platz an der Atomhülle fortbewegen. Nur an der Oberfläche eines solchen Stoffes ist es möglich, einige Elektronen abzureißen. Dies passiert, wenn der Luftballon am Wollpulli gerieben wird. Da nun einige Elektronen fehlen, ist der Stoff plötzlich positiv geladen. Es gibt jetzt mehr positiv geladene Protonen im Atomkern als noch Elektronen in der Atomhülle vorhanden sind. Der Luftballon kann so an einem anderen Gegenstand haften. In leitenden Materialien, wie z.B. Metallen, sind die Atome so angeordnet, dass die äußeren Elektronen der Atomhülle nicht mehr von den Atomkernen fest gehalten werden können. Die Elektronen aller Atomkerne können sich fast frei im Material bewegen, mit anderen Elektronen die Plätze tauschen und von ihnen auch verschoben werden. Diese freie Beweglichkeit der Leitungselektronen macht das Material elektrisch leitend. Das ist auch der Grund, weshalb ein Aluminiumluftballon nicht durch Reibung haftfähig gemacht werden kann. Wird an der Oberfläche des leitenden Aluminiums ein Elektron herausgerissen, so können ganz leicht andere Elektronen diesen Platz einnehmen und so die elektrische Ladung wieder ausgleichen. Der StromkreisStrömen die Leitungselektronen in eine bestimmte Richtung,
so wird dies elektrischer Strom genannt. Die Leitungselektronen
bewegen sich vom Minuspol einer Stromquelle mit Elektronenüberschuss
zum Pluspol mit Elektronenmangel (physikalische Stromrichtung).
Man kann sich eine Stromquelle gut als "Elektronenpumpe"
vorstellen. Stromquellen sind z.B. Batterien, der Dynamo eines Fahrrades
oder ein Generator im Kraftwerk. Strom kann aber immer nur dann
fließen, wenn der Stromkreis geschlossen ist. Von einem Pol
der Stromquelle fließt der Strom durch den Verbraucher, z.B.
durch eine Glühlampe, einen Elektromotor oder ein Radio, zurück
zum anderen Pol der Stromquelle. Einen solchen Stromkreis bezeichnet
man als Gleichstromkreis. In einem Wechselstromkreis ändert
sich die Stromrichtung dagegen in jeder Sekunde viele Male. Da nur
Wechselstrom auf hohe Spannungen transformiert werden kann, ist
in Mitteleuropa der Strom aus der Steckdose immer Wechselstrom.
Die "Kraft", mit der die Stromquelle die Elektronen im
Stromkreis "pumpt", wird Spannung genannt. Die Einheit
der Spannung wird nach dem italienischen Physiker Alessandro Graf
Volta (1745-1827) mit Volt (V) bezeichnet. Die Menge des Stromflusses,
also die Anzahl der Elektronen, die in einer Sekunde durch einen
bestimmten Leiterquerschnitt hindurchfließen, ist die Stromstärke.
Zu Ehren des Franzosen A. M. Ampère wurde die Einheit der
Stromstärke als Ampere (A) bezeichnet. Nach dem Ohmschen Gesetz
gilt, dass durch einen Leiter umso mehr Strom fließt, je höher
die "angelegte" Spannung ist.
Der Umgang mit StromGrundsätzlich kann jeder elektrische Strom lebensgefährlich
sein, bereits ein Wechselstrom von nur 40 Milliampere (mA) kann
zum Herzkammerflimmern und damit zum Tod führen. Nur der elektrische
Strom aus (Taschenlampen-)Batterien (1,5 V - 4,5 V) und vom Trafo
der elektrischen Spielzeugeisenbahn (bis 12 V) ist ungefährlich.
Gefährlich sind Wechselspannungen ab etwa 60 V, z.B. die Netzspannung
in der Steckdose (230 V) und die Ablenkspannung in einem Farbfernseher
(15000 V). Diese Spannungen können, wie erst recht die Spannung
einer Hochspannungsleitung (110000 V - 480000 V) und die Spannung
eines Blitzes (mehrere Millionen Volt), tödlich wirken. Da
in einem Kraftwerk zur Erzeugung von Strom sehr viel Energie verbraucht
wird, sollte man bei der Benutzung von Elektrizität immer darauf
achten, dass elektrischer Strom nicht unnötig verbraucht wird.
Zum Energiesparen ein kleines Beispiel: Würden alle Fernsehgeräte
in Deutschland nachts immer richtig ausgeschaltet und nicht in der
Stand-by-Bereitschaft weiterlaufen, so könnte auf ein ganzes
Kernkraftwerk verzichtet werden!
Die Geschichte des Stromes
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